Wer eine neue Küche plant, denkt an Fronten, Arbeitsplatte, Geräte.
Die technischen Weichen dafür werden jedoch viel früher gestellt,
nämlich im Rohbau. Wer Strom-, Wasser-, Statikfragen erst nach dem
Innenausbau klärt, riskiert Stemmarbeiten an Wänden, die schon
längst verputzt sind. Ein Blick auf die Normen verrät, was man
schon zu diesem frühen Zeitpunkt bedenken sollte.
Die Anzahl und Lage der Küchesteckdosen ist in der DIN
18015-2:2021-10 geregelt. Diese Norm legt Art und Umfang der
Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden fest, wobei
je nach gewünschtem Komfort zwischen Mindestausstattung,
Standardausstattung und Komfortausstattung (RAL-RG 678) unterschieden
wird. Für Backofen, Kochfeld, Kühl- und Gefrierschrank sowie
Geschirrspüler sind eigene Stromkreise vorzusehen, da Geräte mit
mehr als 2000 Watt Anschlussleistung nicht gemeinsam mit anderen
Verbrauchern an einem Stromkreis betrieben werden dürfen.
Steckdosen
über der Arbeitsfläche liegen in der Regel 100 bis 130 Zentimeter,
vorzugsweise bei 115 Zentimeter, über dem Fertigfußboden und
sollten gemäß DIN VDE 0100-701 einen Mindestabstand von 60
Zentimeter zur Spüle einhalten. Küchensteckdosen müssen mit einer
Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit einem Auslösestrom von höchstens
30 Milliampere abgesichert sein. Dies schützt Personen vor
gefährlichen Berührungsspannungen. Wer diese Vorgaben schon bei der
Rohinstallation berücksichtigt, schafft die technische Grundlage für
individuell ausgestattete
Traumküchen
mit Induktionskochfeld, Dampfgarer oder Kaffeevollautomat, ohne
spätere Eingriffe in frisch gefliesten Wänden.
Für die Trinkwasserinstallation gilt die Normenreihe
DIN
EN 806, die Material, Dimensionierung und Ausführung
der Leitungen regelt. Der Anschluss der Küchenspüle selbst folgt
der DIN EN 695, die unter anderem eine Arbeitshöhe von rund 90
Zentimetern vorgibt. Kalt- und Warmwasserleitung sollten 15 bis 20
Zentimeter Abstand zueinander haben, da sich sonst Wärme von der
einen auf die andere Leitung übertragen kann. Der Abwasseranschluss
liegt etwa 10 Zentimeter unterhalb der Zuleitungen und maximal 45
Zentimeter über dem Boden, mit einem Gefälle von mindestens 2
Prozent, damit kein Wasser stehen bleibt. Der Geschirrspüler wird in
der Regel über ein Kombinationsventil an die Kaltwasserleitung
angeschlossen und sollte möglichst nah an der Spüle platziert
werden, um die Installation einfach zu halten. Solche Maße lassen
sich im Rohbau über Vorwandinstallationen präzise vorbereiten. Eine
nachträgliche Verlegung in einer bereits gefliesten oder tragenden
Wand ist deutlich aufwendiger und meist teurer.
Die Koordinationsmaße für Küchenmöbel und Hausgeräte definiert
die europäische Norm EN 1116. Sie legt ein horizontales Achsmaß von
60 Zentimetern fest, an dem sich Schrankbreiten, Arbeitsplattentiefe
und Gerätenischen orientieren. Liegen alle Anschlüsse für Strom,
Wasser und Abwasser an einer Wand nebeneinander, spricht man von
einer Installationszeile. Wird stattdessen eine freistehende
Kochinsel geplant, müssen Anschlüsse mitten im Raum verlegt werden,
was im Estrich oder in der Bodenplatte entsprechende Aussparungen
erfordert. Schwere Arbeitsplatten aus Naturstein oder Quarzkomposit
sowie zusätzliche Trennwände sollten zudem mit dem Statiker
abgestimmt werden, vor allem wenn eine Leichtbaukonstruktion oder
eine Geschossdecke mit begrenzter Tragfähigkeit betroffen ist.
Wer die genannten Normen schon in der Bauplanung mit Elektriker,
Sanitärfachbetrieb und Küchenplaner abstimmt, vermeidet
nachträgliche Kompromisse. Eine gemeinsame Begehung des Rohbaus,
bevor Estrich und Putz aufgebracht werden, deckt Unstimmigkeiten
frühzeitig auf. Bauherren sollten ihren Grundrissplan mit genauen
Geräteabständen und Anschlusspunkten spätestens vor der Elektro-
und Sanitärinstallation an den Küchenplaner übergeben. So lassen
sich Anschlüsse, Stromkreise und Stellflächen exakt auf die spätere
Küche abstimmen, statt sie im Nachhinein behelfsmäßig anzupassen.
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