Küchenplanung im Rohbau

Worauf es bei Anschlüssen und Maßen ankommt


Artikel vom 29.06.2026


Wer eine neue Küche plant, denkt an Fronten, Arbeitsplatte, Geräte. Die technischen Weichen dafür werden jedoch viel früher gestellt, nämlich im Rohbau. Wer Strom-, Wasser-, Statikfragen erst nach dem Innenausbau klärt, riskiert Stemmarbeiten an Wänden, die schon längst verputzt sind. Ein Blick auf die Normen verrät, was man schon zu diesem frühen Zeitpunkt bedenken sollte.

Elektroinstallation: Stromkreise und Steckdosen rechtzeitig festlegen

Die Anzahl und Lage der Küchesteckdosen ist in der DIN 18015-2:2021-10 geregelt. Diese Norm legt Art und Umfang der Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden fest, wobei je nach gewünschtem Komfort zwischen Mindestausstattung, Standardausstattung und Komfortausstattung (RAL-RG 678) unterschieden wird. Für Backofen, Kochfeld, Kühl- und Gefrierschrank sowie Geschirrspüler sind eigene Stromkreise vorzusehen, da Geräte mit mehr als 2000 Watt Anschlussleistung nicht gemeinsam mit anderen Verbrauchern an einem Stromkreis betrieben werden dürfen.
Steckdosen über der Arbeitsfläche liegen in der Regel 100 bis 130 Zentimeter, vorzugsweise bei 115 Zentimeter, über dem Fertigfußboden und sollten gemäß DIN VDE 0100-701 einen Mindestabstand von 60 Zentimeter zur Spüle einhalten. Küchensteckdosen müssen mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit einem Auslösestrom von höchstens 30 Milliampere abgesichert sein. Dies schützt Personen vor gefährlichen Berührungsspannungen. Wer diese Vorgaben schon bei der Rohinstallation berücksichtigt, schafft die technische Grundlage für individuell ausgestattete Traumküchen mit Induktionskochfeld, Dampfgarer oder Kaffeevollautomat, ohne spätere Eingriffe in frisch gefliesten Wänden.

Wasseranschlüsse: Höhen, Abstände und geltende Normen

Für die Trinkwasserinstallation gilt die Normenreihe DIN EN 806, die Material, Dimensionierung und Ausführung der Leitungen regelt. Der Anschluss der Küchenspüle selbst folgt der DIN EN 695, die unter anderem eine Arbeitshöhe von rund 90 Zentimetern vorgibt. Kalt- und Warmwasserleitung sollten 15 bis 20 Zentimeter Abstand zueinander haben, da sich sonst Wärme von der einen auf die andere Leitung übertragen kann. Der Abwasseranschluss liegt etwa 10 Zentimeter unterhalb der Zuleitungen und maximal 45 Zentimeter über dem Boden, mit einem Gefälle von mindestens 2 Prozent, damit kein Wasser stehen bleibt. Der Geschirrspüler wird in der Regel über ein Kombinationsventil an die Kaltwasserleitung angeschlossen und sollte möglichst nah an der Spüle platziert werden, um die Installation einfach zu halten. Solche Maße lassen sich im Rohbau über Vorwandinstallationen präzise vorbereiten. Eine nachträgliche Verlegung in einer bereits gefliesten oder tragenden Wand ist deutlich aufwendiger und meist teurer.

Statik und Raummaße: Platz für Kochinsel und Stauraum

Die Koordinationsmaße für Küchenmöbel und Hausgeräte definiert die europäische Norm EN 1116. Sie legt ein horizontales Achsmaß von 60 Zentimetern fest, an dem sich Schrankbreiten, Arbeitsplattentiefe und Gerätenischen orientieren. Liegen alle Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser an einer Wand nebeneinander, spricht man von einer Installationszeile. Wird stattdessen eine freistehende Kochinsel geplant, müssen Anschlüsse mitten im Raum verlegt werden, was im Estrich oder in der Bodenplatte entsprechende Aussparungen erfordert. Schwere Arbeitsplatten aus Naturstein oder Quarzkomposit sowie zusätzliche Trennwände sollten zudem mit dem Statiker abgestimmt werden, vor allem wenn eine Leichtbaukonstruktion oder eine Geschossdecke mit begrenzter Tragfähigkeit betroffen ist.

Frühzeitige Abstimmung mit allen Gewerken

Wer die genannten Normen schon in der Bauplanung mit Elektriker, Sanitärfachbetrieb und Küchenplaner abstimmt, vermeidet nachträgliche Kompromisse. Eine gemeinsame Begehung des Rohbaus, bevor Estrich und Putz aufgebracht werden, deckt Unstimmigkeiten frühzeitig auf. Bauherren sollten ihren Grundrissplan mit genauen Geräteabständen und Anschlusspunkten spätestens vor der Elektro- und Sanitärinstallation an den Küchenplaner übergeben. So lassen sich Anschlüsse, Stromkreise und Stellflächen exakt auf die spätere Küche abstimmen, statt sie im Nachhinein behelfsmäßig anzupassen.


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