Witterung im Rohbau ist einer der unterschätzten Kostentreiber am Bau. Regen, Schnee und Frost dringen in ungeschützte Bauteile ein, verlängern Trocknungszeiten und schädigen im schlimmsten Fall die Substanz. Ein durchdachter Wetterschutz gehört deshalb in jeden Bauzeitenplan, nicht erst in die Schadensbegrenzung.
Porenbeton kann Wasser bis zu einem erheblichen Anteil seines Eigengewichts aufnehmen, auch Kalksandstein und offene Deckenkonstruktionen reagieren empfindlich. Der Bundesverband Porenbeton weist darauf hin, dass eine Durchfeuchtung die Trocknungszeiten deutlich verlängert, bevor Innenputz, Estrich oder Trockenbau aufgebracht werden dürfen. Die DIN 4108-2 definiert Mindestanforderungen an den Wärmeschutz, die nur mit trockenen Bauteilen dauerhaft eingehalten werden.
Bei Zementestrich rechnet die Praxis grob mit vier Wochen Trocknungszeit pro Zentimeter Schichtdicke bis vier Zentimeter, darüber steigt der Aufwand überproportional. Ein einziger Starkregen kann diesen Zeitplan spürbar verschieben. Hinzu kommen Folgeschäden. Eingeschlossene Restfeuchte begünstigt Schimmelbildung hinter Bekleidungen und in Dämmschichten. Sachverständige der DEKRA berichten, dass Feuchteschäden im Rohbau zu den häufigsten Streitpunkten bei Bauabnahmen zählen.
Nicht jede Plane taugt für den Rohbau. Für die Absicherung gegen Wind, Schlagregen und mechanische Belastung eignen sich wasserdichte Abdeckplanen für Haus, Garten und Baustelle aus PE-Gewebe mit einer Grammatur von mindestens 200 bis 260 g/m². Für exponierte Lagen und längere Standzeiten sind Materialstärken von 400 g/m² und mehr üblich.
Wichtige technische Kennzahlen sind:
Grammatur in g/m² als Indikator für Reißfestigkeit und Standzeit.
UV-Stabilisierung, entscheidend bei mehrmonatiger Auslage.
Prüfwerte nach DIN EN ISO 1421 für Zug und Weiterreißfestigkeit.
Ösenabstand und Randverstärkung. Aluösen alle 50 cm gelten als Baustandard.
Wassersäule ab etwa 1.000 mm für den Nachweis als wasserdicht.
Bei der Auswahl lohnt der Blick auf Anbieter mit Prüfzeugnissen und Erfahrung im gewerblichen Bereich. Die Marke A-TEX® etwa wird seit 1980 in Handwerk und Industrie eingesetzt und über den Onlineshop PowerPlanen auch privaten Bauherren zugänglich gemacht.
Eine Plane wirkt nur, wenn sie fachgerecht verlegt ist. Die VOB/B verpflichtet Bauunternehmen ohnehin zum Schutz noch nicht abgenommener Leistungen. In der Praxis heißt das:
Gefälle einplanen, damit Wasser abläuft und keine Pfützen stehen bleiben.
Überlappungen von mindestens 20 cm ausführen und mit Spanngurten sichern.
Kanten und Sturmkanten mit Zurrgurten nach DIN EN 12195-2 befestigen.
Rohbauöffnungen zusätzlich mit Vlies oder Folie hinterlegen.
Besonders auf Deckenrändern sammelt sich Wasser schnell. Ein einfacher Ablauf über eine Rinne aus Bauholz oder ein Notüberlauf durch eine Fensteröffnung verhindert Staunässe und Punktlasten, die eine Plane sonst durchreißen lassen.
Auswertungen des Fraunhofer IRB zeigen, dass witterungsbedingte Bauzeitverlängerungen im Wohnungsbau je nach Region zwei bis sechs Wochen ausmachen können. Die Kosten für einen fachgerechten Planenschutz liegen dagegen im niedrigen dreistelligen Bereich je Rohbau. Das Verhältnis von Aufwand zu vermiedenem Schaden ist damit klar dokumentiert.
Bauherren sollten den Witterungsschutz bereits in der Ausschreibung
als eigene Position aufnehmen. So lässt sich später eindeutig
klären, wer für Schäden aus mangelhafter Abdeckung haftet. Wer
selbst mit anpackt, kontrolliert die Planen mindestens einmal
wöchentlich auf Risse, gelöste Ösen und Wasseransammlungen und
prüft nach jedem Sturm die Zurrgurte auf festen Sitz.
Bildlizenz: Pixabay