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Kontrovers: Notre Dame Paris - sanieren oder neu bauen?


Artikel vom 01.06.2019


Gutachter und Ingenieure sind gefragt, nachdem das Pariser Wahrzeichen Notre Dame durch ein verheerendes Feuer in großen Teilen vernichtet wurde. Es sind bereits Tage vergangen und doch stehen die Verantwortlichen noch immer vor einem Rätsel.

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Brandsachverständige haben inzwischen ermittelt, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kurzschluss den Brand ausgelöst hat, der quasi das gesamte Dachgeschoss der über 850 Jahre alten Kathedrale zerstört hatte.
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\r\nNotre Dame ist nicht versichert

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Da die Versicherungsprämien für dieses unschätzbar wertvolle Juwel unter den christlichen Kirchen kaum zu tragen wären, hatte die französische Regierung auf den Abschluss eines Versicherungsvertrages verzichtet. Denn Notre Dame gehört dem französischen Staat - nicht dem Vatikan, wie bei Sakralbauten gemeinhin üblich. Aber es wurde eine Feuermeldeanlage installiert, nur funktionierte das System nicht so, wie es sollte.
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\r\nTechnische Panne führt zum Großbrand
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\r\nDas Feuermeldesystem gab in der Tat rechtzeitig Alarm und zeigte einen Brand an. Allerdings in einem Teil des Gebäudes, in dem alles in bester Ordnung war. Die Sicherheitsbeamten des Notre Dame waren der Feuermeldung sofort nachgegangen. Da am gemeldeten Ort kein Feuer oder Rauch zu entdecken war, gingen sie von einem Fehlalarm aus. Kein Wunder denn das Bauwerk ist mit 130 Metern länger als ein Fußballfeld und hat mehrere Stockwerke.
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\r\nEin fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte. Statt wie vom Computer angezeigt in einer der Seitenkapellen der Kathedrale, die bis zu 10.000 Gläubige aufnehmen konnte, brannte es im Obergeschoß dicht unter der Dachkonstruktion.

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Als von außen viel später die ersten Rauchschwaden sichtbar waren, war jeder Versuch das Feuer schnell zu ersticken quasi hoffnungslos. Die beteiligten Feuerwehren hatten wegen der Höhe des Brandes gut 50 Meter über ihnen und mit den gewaltigen Ausmaßen der Basilika zu kämpfen. So dauerte es Stunden, bis der Brand eingedämmt und dann schließlich gelöscht werden konnte.
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\r\nDie Schäden lassen Kulturliebhaber verzweifeln

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Nicht nur der schlanke, rund 90 Meter hohe hölzerne Vierungsturm wurde ein Raub der Flammen. Auch zahlreiche Kunstgegenstände und Skulpturen im Inneren wurden stark beschädigt oder vollständig zerstört. Einige davon nicht durch das Feuer, sondern durch das Löschwasser - ein altbekanntes Problem bei Bränden.
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\r\nFinanziell wird der Wiederaufbau ein Kraftakt

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Wer bei Google "Notre Dame" als Suchbegriff eingibt, der sieht auf der rechten Seite das Bild der Kathedrale mit einem Teilausschnitt des Stadtplans - und darunter einen leuchtend roten Balken mit dem Vermerk: "vorübergehend geschlossen"! Wie lange vorübergehend sein wird, kann Ihnen derzeit nicht einmal das exzellente Ingenieurbüro in Ihrer Nähe sagen.
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\r\nZumindest hat Frankreichs optimistischer Präsident Emmanuel Macron einen Zeitraum von fünf Jahren als machbar erklärt. An der Finanzierung wird der Wiederaufbau wohl nicht scheitern.

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Bereits in der ersten Woche nach dem Brand sind über 900 Millionen Euro auf den Spendenkonten eingegangen. Darunter aber nicht ein Eurocent vom Vatikan, wenngleich Papst Franziskus bereits dazu aufgerufen hat, Notre Dame wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen.
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\r\nAuf die Frage nach einer finanziellen Beteiligung des Vatikans äußerte Kardinal Gianfranco Ravasi auf dem Internetportal Katholisch.de die Ansicht, Frankreich sei durchaus in der Lage, die Kosten alleine zu tragen. Darüber hinaus gab er zu bedenken, dass Notre Dame eine "Kathedrale für Gläubige und Nichtglaubende" sei.

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Ravasi stellte aber die Hilfe des Vatikans in Aussicht. Seinen Worten folgend besteht die Möglichkeit, dass die versierten Restauratoren des Vatikans beratend tätig werden könnten.
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\r\nInzwischen wird bereits darüber nachgedacht, eine Sonderausgabe von Hugo\'s Weltbestseller "Der Glöckner von Notre Dame" herauszugeben. Das Buch, das die Kathedrale weltberühmt gemacht und ihr einen Platz in der Weltliteratur beschert hat, soll dazu beitragen, dass Notre Dame in altem Glanz erstrahlen kann.
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\r\nOb das alles zusammen ausreichen wird, steht in den Sternen. Wäre es nicht die Notre Dame, würde das Gebäude aus Kostengründen wohl abgerissen werden. Ein Neubau würde wahrscheinlich deutlich preiswerter werden. Daran wird bei dem Pariser Wahrzeichen aber nicht ein Gedanke verschwendet.
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\r\nZuerst wird das beauftragte Ingenieurbüro eine Auflistung der Schäden vornehmen, Kostenvoranschläge einholen und kann dann einen Kostenrahmen für den Wiederaufbau benennen. Das ist nach jedem Brand oder einem anderen Gebäudeschaden immer die gleiche Prozedur. Ob bei einer privaten Immobilie oder bei einem UNESCO-Weltkulturerbe. Nur die Zahlen unterscheiden sich vor dem Komma ein wenig.

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Bildquelle: Vladdeep - https://elements.envato.com/de/chief-engineer-or-architect-works-with-building-PXN8LP8 

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